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Richard Hirschbäck

Geboren bin ich am 2. Juli 1937 in Schwarzach St. Veit, im Land Salzburg. Trotz Kriegs- und Nachkriegsjahren verbrachte ich dort eine behütete, unbeschwerte Kindheit. schmerzhaft war daher der Abschied als ich mit elf Jahren nach Salzburg, in das Benediktinerinternat "Edmundsburg" geschickt wurde.

Der frühe Trennungsprozess von Kindheit und Elternhaus ließ eine außergewöhnliche Empfindsamkeit reifen. Vom Heimweh gepeinigt, begann ich kontinuierlich zu zeichnen und verschaffte mir so heimliche Beruhigung; erst spätere Kopien nach alten Meistern erbrachten mir öffentliche Anerkennung im Internat. Als ich auf Reproduktionen und Originale der moderne stieß, vernichtete ich alles, was ich zuvor gemacht hatte.

Rudolf Hradil lenkte schließlich meine Aufmerksamkeit auf Körper- und Kopfzeichnungen nach der Natur, eine Disziplin die mir bis heute unentbehrlich geblieben ist.

Ihm verdanke ich auch den guten Rat, bei Prof. Albert Paris Gütersloh an der Wiener Akademie zu studieren. Die glückliche Wahl meines Lehrers Gütersloh war ein bestimmender Faktor für die Zukunft. Durch ihn lernte ich das vertrauen auf den Instinkt für verborgene Zusammenhänge und ein sehr lebensnahes Verhältnis zur Kunst kennen.

Sooft ich konnte, entfloh ich der Stadt und fuhr ins nahe Burgenland. Der weite Himmel war etwas neues. Die fließenden Linien der Hügel, die scharf abgegrenzten, darüber gespannten Felder, lieferten Motive für stille, kleinformatige Landschaften, die Ernst Fuchs 1958 in seiner Galerie in der Millöckergasse in Wien ausstellte.

Aus diesen Landschaften entwickelten sich, folgerichtig für diese Jahre, geometrisch-konstruktive Umsetzungen.

Ein wesentliches Moment jener Zeit war das ausloten aller ersehenen und erahnten bildnerischen Möglichkeiten. So folgten durch den Tachismus ausgelöst, Zweifel, ob nicht die expressiv-gestische Malerei die gültigere Ausdrucksform sei; aber nach ersten Annäherungen blieben meine Arbeiten doch dem konstruktiven verhaftet.

Erst der Abschluss der Akademie und die Übersiedelung aufs Land brachten eine Lockerung. Nach der mathematisch-konstruktiven Komposition entstand analog die optisch-mathematische Zerlegung der Farbe in Points, und es vollzog sich, persönlich zurückhaltend interpretiert, die gedanken- und Erlebniswelt der Pointilisten.

Konstruktivismus und Pointilismus ermöglichten aber kein steigerungsfähiges reduzieren oder verfremden.

Die anschließende Verlagerung der Konstruktion in illusionistische Räume ging gleichnishaft zu technischen Einwirkungen auf die gewachsene Landschaft ein. Landschaftsbedrohungen und Zerstörungen reflektieren ein empfinden voraus, das Jahre später zum Allgemeingut wurde. Als ich spürte, dass diese Bilder sich einer vordergründigen Verwendbarkeit anboten, versuchte ich auszusteigen. Die direkte Verwertbarkeit meiner Arbeiten war mir verdächtig, und ich kehrte zu Rasterungen, schablonierenden und zur bildnerischen Gesetzmäßigkeit zurück.

Zur wichtigen Zäsur wurde die umfangreiche Retrospektive, die Jorg Lampe 1972 in der Neuen Galerie der Stadt Linz zusammenstellte. Dieser konzentrierte Rückblick auf 15 Jahre besessenen Schaffens wirkte wie ein Katalysator. Zum einen zeigte sich ein Weg aus einer festgefahrenen Situation, zum anderen fand alles bis dahin erreichte seine logische Begründung. Es war letztlich positiv, zu erkennen, dass ich Umwege gemacht hatte, dadurch ursprüngliches, durch Erfahrung untermauert, wiederkehrte und sich in gültigem Niederschlug.

Immer öfter entdeckte ich verblüffende Parallelen zu arbeiten, die 30 Jahre zurückliegen, und staune über das vielgestaltige Panorama, das sich von einem einzigen Standpunkt, durch leichte Veränderung des Blickwinkels bietet.

Obwohl sich ein Kreis nach dem anderen schließt, und die Gesamtschau reicher wird, bleibt die Zukunft offen und voller Überraschungen.


Richard Hirschbäck, April 1986